Startup: Der Duft Marokkos in Tüten

Startup: Nuss-Kreationen
Startup: Wo früher Brot gebacken wurde, produziert Kevin Drasl heute Nuss-Kreationen. 60 Feinkosthändler vertreiben die Waren des Jungunternehmers.

Ganderkesee. Wenn Kevin Drasl einen der großen Säcke in seinem Warenlager öffnet, dann duftet es nach großer weiter Welt. Curry, Rosmarin und Chili sind nur einige wenige der aromatischen Zutaten, die der 27-Jährige in der ehemaligen Backstube Hüholt an der Grüppenbührener Straße verarbeitet. Dort produziert Drasl unter dem Etikett „Die Gewürznuss“ geröstete Nüsse, die er mit Bio-Gewürzen ummantelt, sowie Nuss- und Honig-Aufstriche.

Wie sich die Geschäftsidee des Bremers auf der Zunge anfühlt, davon überzeugten sich am Mittwochvormittag Mitglieder des Ganderkeseer FDP-Ortsverbandes, darunter der Bundestagsabgeordnete Christian Dürr. Sie besuchten die Produktionsräume, die Drasl vor eineinhalb Jahren in Ganderkesee fand.

Schon als Kind hatte Kevin Drasl Gefallen an fernen Ländern gefunden. Während seines Studiums der internationalen Betriebswirtschaft in München verbrachte er mehrere Monate in Hongkong und Dubai, auch China und Indien hat er bereist. Nach seinem Abschluss arbeitete er ein Jahr lang bei der Deutschen Außenhandelskammer in Casablanca (Marokko).

In Nordafrika inspiriert

Schon vorher hatte Drasl damit begonnen, sich vegan zu ernähren. „Ich wollte mich einfach fitter und leistungsfähiger fühlen“, erklärte er den Gästen. In Marokko standen Hülsenfrüchte, Gemüse und vor allem Nüsse auf seinem Speiseplan. Letztere seien zwar günstig und reichlich erhältlich gewesen, „aber sie wurden mir irgendwann zu langweilig“, erinnert sich Drasl. Er begann, selbst zu rösten und mit Gewürzen zu experimentieren – scheiterte aber zunächst daran, dass die Kräuter und Gewürze nicht auf den Nüssen hafteten. „Ich wollte immer ohne raffinierten Zucker, Öl und Emulgatoren auskommen.“

Heute, knapp vier Jahre und eine Firmengründung später, ist das Problem gelöst. Wie genau er die Würze an die Nuss bringt, gehört zu den Geschäftsgeheimnissen des Jungunternehmers. Nur so viel verrät er: Er verwende eine Stärke-Mischung und röste die Nüsse zwei Stunden bei niedriger Temperatur im Ofen der früheren Bäckerei.

Jeweils drei süße, scharfe und salzige Nuss-Kreationen vertreibt Drasl derzeit. Hinzu kommen sechs Nusscremes, die sich teils als Brotaufstrich, teils als Ergänzung zu Käse oder auch als Zugabe zu Joghurt eignen.

60 Feinkosthändler im Bundesgebiet beliefert Kevin Drasl heute, zweieinhalb Jahre nach der Gründung seines Startups in Bremen. In Ganderkesee sind seine Produkte im „Platzhirsch“ erhältlich. Etwa 20 Prozent seines Umsatzes macht Drasl über seinen Online-Shop. Zwei Mitarbeiter beschäftigt er in Ganderkesee auf Minijob- und Teilzeitbasis, zusätzlich gehören zwei Praktikanten zum Team. Noch arbeitet der Chef in Teilzeit als Finanzbuchhalter im Betrieb seiner Familie. Doch sein Ziel ist es, im Laufe des Jahres ganz und gar von seinem Unternehmen leben zu können.

„Organisch wachsen“

Sich über TV-Shows wie „Die Höhle der Löwen“ prominente Unterstützung zu holen, kommt für Kevin Drasl derzeit nicht infrage. „Ich lege Wert auf organisches Wachstum“, betont der Unternehmer. Die TV-Formate hingegen sieht er eher als Werbeplattformen, die zu kurzfristigem Erfolg verhelfen.

So gut sich seine Geschäftsidee auch entwickelt – einen großen Wunsch gab der Jungunternehmer den Besuchern, vor allem aber Christian Dürr in Richtung Bundespolitik, mit: Für seinen Mitarbeiter, einen syrischen Flüchtling, erhofft er sich einen erleichterten Übergang vom Minijob zu einem umfangreicheren Beschäftigungsverhältnis. Aktuell wäre dies mit immensen Abzügen bei den Sozialleistungen verbunden, so Drasl.

Bild von Karoline Schulz: Kostproben für die Gäste: Kevin Drasl reicht Marion Vosteen (von links), Christian Dürr und Hans-Jürgen Hespe bittersüße Cashews mit Curry und Zimt.

Quelle: Nordwest-Zeitung vom 03.05.2018

Start-Up: Die Gewürznuss

Jochen Brünner
Die Gewürznüsse von Kevin Drasl
Die Gewürznüsse von Kevin Drasl haben inzwischen Marktreife erlangt. Die Edel-Snacks entstehen in den Öfen der ehemaligen Bäckerei Hüholt an der Grüppenbührener Straße. (Ingo Moellers)

Kevin Drasl hätte es einfacher haben können. Als Absolvent des Studiengangs „Internationales Management“ (mit Schwerpunkt auf arabische Sprache und Kultur) hätten ihm auch gut dotierte Karrieren in großen Unternehmen oder in Handelskammern offen gestanden. „Bei meinen Auslandspraktika – unter anderem in Hongkong, Dubai und Casablanca – habe ich aber sehr schnell festgestellt, dass das dauerhaft nichts für mich sein würde“, sagt der 27-Jährige.

Stattdessen stellte er sich an den eigenen Herd und röstete Nüsse für Kollegen. Und daraus hat sich im November 2015 das Start-Up „Die Gewürznuss“ entwickelt, das seine Produktionsstätte seit etwa eineinhalb Jahren in Ganderkesee hat. In dieser Woche berichtete er der örtlichen FDP-Fraktion von der Entwicklung seines Betriebs.

Als Sohn eines Piloten sei er bereits in seiner Kindheit viel gereist, erzählt Drasl. Besonders beeindruckt habe ihn im Alter von etwa 14 Jahren eine Reise nach Marokko, als er in den dortigen Souks die unendliche Vielfalt der Gewürze des Landes kennengelernt hat. Und als er während seines Studiums auf die vegane Lebensweise umgestiegen ist („vor allem aufgrund der Überzeugung, daraus viel Energie zu schöpfen“), bot ihm Marokko Nüsse und Hülsenfrüchte in zahllosen Variationen.

Die endgültige Entscheidung, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, sei schließlich auf dem Annapurna-Track in Nepal gefallen. „Wenn man zwei Wochen lang nicht anderes tut als zu wandern, hat man viel Zeit zum Nachdenken“, erinnert sich Drasl. Beim ersten Versuch verbrannten die Nüsse kläglich, in einem späteren Stadium der Produktentwicklung stellte sich dann das Problem, wie die Gewürze an den Nüssen haften bleiben – und zwar möglichst gleichmäßig.

Aber von solchen gelegentlichen Rückschlägen ließ sich Drasl nicht beirren, tüftelte weiter und entwickelte seine „Gewürznuss“ zur Marktreife. Am Anfang startete er mit drei verschiedenen Geschmacksrichtungen: Die mit italienischen Kräutern ummantelte Erdnuss passt gut zu Gin Tonic, seine Curry-Cashewnüsse sind ein perfekter Begleiter zu Weißwein, und die deftige Variante mit Rauchpaprika und Chili schmecken am besten zum Bier.

Inzwischen hat Drasl das Sortiment bereits auf neun Sorten erweitert: drei salzige, drei süße und drei scharfe. Hinzu kommen Nuss-Crèmes als Brotaufstriche sowie Honig-Variationen mit Walnuss, Matcha und Wacholder – auch wenn er in dieser Produktlinie den veganen Anspruch verlässt.

Auftrag über 10.000 Tüten

„Die Zeit als One-Man-Show war spannend aber anstrengend“, blickt Drasl auf die Anfänge zurück. Auch wenn er nach wie vor für die Rezepte, das Herstellungsverfahren, das Design der Verpackungen, die Webpräsenz sowie den Vertrieb verantwortlich ist, arbeitet er inzwischen seit längerem erfolgreich mit einem syrischen Flüchtling zusammen, zudem gehört eine Produktionschefin zum Team.

Und für die Entwicklung der Nuss-Crèmes und Honige hat er sich auch das Knowhow eines Lebensmittelchemikers ins Boot geholt. Der Jungunternehmer produziert seine Edel-Snacks in den Öfen der ehemaligen Bäckerei Hüholt an der Grüppenbührener Straße. „Ein Glücksfall“, beurteilt Drasl den Standort. Nachdem er seine Nüsse zuvor zunächst in kleinen Restaurants und später in der „Kulturküche“ in Bremen in kleinen Stückzahlen geröstet hatte, erlauben die großen Öfen bei voller Auslastung, 100 Kilogramm Nüsse gleichzeitig zu verarbeiten.

Diese Kapazitäten werden inzwischen benötigt, um die Nachfrage bedienen zu können – so wie etwa im vergangenen Dezember: „Da haben wir einen Auftrag über 10.000 Tüten bekommen, damit waren wir erstmal einige Zeit beschäftigt.“ Schließlich müssen die Nüsse bei niedriger Temperatur zwei Stunden lang in den Ofen. Noch heute prangt die Erledigung des Auftrags als Memo in der ehemaligen Backstube.

Teilzeit-Finanzbuchhalter nebenbei

„Mengentechnisch bewegen wir uns immer noch zwischen Handwerk und Industrie – aber diese Lücke ist gigantisch“, sagt Drasl. Zum Kundenstamm gehören gegenwärtig bundesweit rund 60 Feinkostläden sowie einige Supermärkte mit speziellem Sortiment. Den Vertrieb – also die Überzeugungsarbeit vor Ort – erledigt der Chef gegenwärtig noch selbst. Obwohl er sich wünschen würde, für diese Aufgabe weitere Mitarbeiter zu gewinnen.

Ein weiteres Ziel, das er bei der Gelegenheit auch dem FDP-Bundestagsabgeordneten Christian Dürr mit auf den Weg gab, sei, den bewährten Mitarbeiter aus Syrien von einem Minijob in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis zu überführen. Die behördlichen Hürden seien aber gewaltig. Zwar trägt sich das Start-Up inzwischen soweit selbst, dass die Erlöse Kosten wie Löhne, Herstellung und Miete erwirtschaften.

Doch für den Chef selbst bleibt im Augenblick noch nicht genug hängen, um davon leben zu können. So ist er nebenbei noch in Teilzeit als Finanzbuchhalter im Betrieb der Familie tätig. „Eine Faustregel besagt, dass sich Start-Ups nach spätestens fünf Jahren selbst tragen sollten. Aber mal ehrlich: Ich habe eigentlich keine Lust, noch zwei Jahre darauf zu warten“, hofft Drasl, mit der Gewürznuss bereits deutlich früher ans Ziel zu kommen.

Quelle: Delmenhorster Kurier vom 04.05.2018

Alte Bäckerei jetzt Nussrösterei

Neue Genuss-Ideen reifen in Ganderkeseer Backöfen
Von Thorsten Konkel

Die Gewürznuss in Ganderkesee
Verkostung: (v.l.) Marion Vosteen, Christian Dürr und Hans-Jürgen Hespe dürfen in der Backstube Kevin Drasls neueste Nuss-Kreationen probieren. Foto: Thorsten Konkel

Ganderkesee. Erst Berufung, jetzt Beruf: In einer alten Bäckerei an der Grüppenbühren Straße in Ganderkesee produziert Kevin Drasls Unternehmen „Die Gewürznuss“ Knabbereien. Der Ganderkeseer FDP-Fraktion hat der Veganer am Mittwoch seine Geschäftsidee erläutert.

Er hat die ganze Welt bereist, doch seine Wahl fiel letztlich auf Ganderkesee: In der ehemaligen Bäckerei an der Grüppenbührener Straße produziert Jungunternehmer Kevin Drasl unter dem Namen „Die Gewürznuss“ hochwertige Nussprodukte für Genießer. Seinen beruflichen Werdegang – vom weit gereisten studentischen Hobbyröster zum erfolgreichen Start-up-Unternehmer – hat Drasl dort gestern der FDP-Fraktion und dem hiesigen Bundestagsabgeordneten Christian Dürr (FDP) erläutert.

Produkte gibt es beim „Platzhirsch“ an der Rathausstraße

Vertrieben werden die Gewürznüsse und Nusspasten des Bremers bundesweit in 60 Feinkostläden und gehobenen Supermärkten. In Ganderkesee sind die Produkte beim „Platzhirsch“ an der Rathausstraße erhältlich.

Ob Indien, China oder Marokko, der 27-jährige Sohn eines Piloten ist weit gereist und hat dabei reichhaltige kulinarische Erfahrungen gemacht. Schon als Student in München habe er sich vegan ernährt, berichtete er den Liberalen. Um das auch in Marokko bei der Tätigkeit für die Deutsche Außenhandelskammer tun zu können, experimentierte Drasl eigenen Angaben zufolge vor Ort mit dem Rösten von Nüssen und vielen Gewürzen – ein Weg, der alles andere als einfach war: „Die ersten Versuche missglückten kläglich“, verriet Drasl. Doch mit der Zeit stellte sich der Erfolg ein – bei den von der Vielfalt des Nuss-Genusses überwältigten Arbeitskollegen und allen, die er von seinen Kreationen kosten ließ.

Bewusster Weg in die Selbstständigkeit

Wieder zurück in Deutschland sei bei ihm der Entschluss gereift, sich gegen eine Karriere in einem Wirtschaftskonzern zu entscheiden. Stattdessen wagte er 2015 den Weg in die Selbstständigkeit, der ihn mit Umweg über Bremen nach Ganderkesee führte. Unterstützt hat den Jungunternehmer bei seinem Start-up auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises (WLO).

Vor der Ganderkeseer Betriebsstätte hatte Drasl eine Bremer Mietküche als Produktionsort genutzt. Mit dem wachsenden Erfolg sei dort auch das Platzproblem gewachsen. Auf einer Messe lernte er die beiden Ganderkeseer Antje Dobrin-Stein und Frank Dobrin kennen. Das Ehepaar produziert seit 2013 an der Grüppenbührener Straße in seiner Genussmanufaktur „Die Schlemmerei“ Senfe, Soßen und Confits. Nicht genutzt wurde von ihnen die Backstube mit den beiden alten, für Dasls Zwecke aber genau richtigen Backöfen. Seit 2017 schaffen der Jungunternehmer und inzwischen zwei Praktikanten, eine Teilzeitkraft und ein Minijobber dort hochwertige Knabbereien in Handarbeit, geröstet in Brotbacköfen. Noch liegt die mengenmäßige Produktion des Unternehmens „zwischen Handwerk und Industrie“, räumte Drasl ein.

Förderung könnte festen Arbeitsplatz schaffen

Seinen Minijobber, einen Geflüchteten, würde er gerne umfangreicher beschäftigen. „Doch dazu wären Förderungen nötig“, erklärte Drasl mit Blick zu den Politikern. Während sich das Geschäft inzwischen trägt, muss der Chef seine Brötchen noch dazuverdienen: „Ein Halbstagsjob im Familienunternehmen als Finanzbuchhalter“, beschrieb er seine Nebentätigkeit. Vollends rechnen solle es sich aber auch für ihn bald: „Man muss sich ein Ziel setzen“, beteuerte er. Das will er neben der guten Qualität seiner Produkte auch mit Expansion erreichen. Kevin Drasl: „Für den Vertrieb suchen wir noch Leute.“

Quelle: Delmenhorster Kreisblatt vom 02.05.2018