Klare Kante gegen die „urban-grüne Milieus“

FDP-Bundestagsabgeordneter Gero Hocker zu Gast in der Gemeinde GanderkeseeFDP-Bundestagsabgeordneter Gero Hocker zu Gast in der Gemeinde Ganderkesee. Diskussion vor rund 50 Zuhörern: Marion Vosteen (Wahlkreisbüro Christian Dürr), Marion Daniel (Vorsitzende der Kreistagsfraktion, Ganderkesee) und Imke Haake (stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes, Großenkneten) und der Bundestagsabgeordnete Gero Hocker (von links). 
Bookholzberg – Klare Feindbilder, teils unpopuläre Forderungen, zielgruppengerechte Ansprache, viel Applaus, praktisch kein Widerspruch: Am Mittwochabend hat der FDP-Bundestagsabgeordnete Gero Hocker in Bookholzberg zu Themen der Landwirtschaft gesprochen. Der promovierte Ökonom aus Achim ist Mitglied im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft in Berlin. Im Rahmen seiner Sommertour hat er die Gemeinde Ganderkesee besucht.

Um den heißen Brei herumzureden, ist nicht sein Ding. Komplimente zu verteilen, schon eher. Die weltweit besten Lebensmittel werden in Deutschland hergestellt, lobte der Freidemokrat gleich eingangs. Das liege vor allem an den Landwirten, die mit großer Sorgfalt und Engagement ihrer Arbeit nachgehen. „Klar, schwarze Schafe gibt es überall“, sagte Hocker. Trotzdem gebe es eben nicht nur den „ehrbaren Kaufmann“, sondern ebenso „den ehrbaren Landwirt“.

Quertreiber sieht er unter anderem in einem „urban-grünen Milieu“. Das kenne er nur allzu gut aus Berlin: „Die denken sich dann in ihrer Altbauwohnung in Prenzlauer Berg aus, wie Landwirtschaft zu sein hat“, ätzte er. Deren Vorstellung, wie ein Hof zu bewirtschaften sei, entspreche der Darstellung in Bilderbüchern. „Die kennen Kühe nur von ihrem Sonntagsausflug“, legte er nach. Es könne nicht sein, dass „die, die in der Stadt leben“ sich erlauben, denen Vorschriften zu machen, „die von der Natur leben“, unterstrich er. Das gelte für viele Themen: Pflanzenschutz, Insektensterben, den Wolf.

Überhaupt: der Wolf. Den sieht Hocker als Bedrohung an, insbesondere an den Küsten und Regionen mit Binnendeichen. Für die Dämme sei eine Beweidung mit Schafen unerlässlich. Das intelligente Raubtier bringe dies jedoch in Gefahr. „Es gibt einen Grund, warum der Wolf ausgerottet wurde“, resümiert der Politiker. Jeglicher Wolf-Romantik erteilte er eine klare Abfuhr. In die Hände klatschen, um den Räuber zu vertreiben? Alle Weiden mit wolfssicheren Zäunen schützen? Unsinn. Er forderte ein Wolfsmonitoring – und wenn die intelligente Beutegreifer einen fest umrissenes Gebiet verlassen, sollten sie von Jägern erlegt werden. Michael Feiner, FDP-Kreistagsmitglied und seines Zeichens Förster und Jäger, sah das etwas anders. Er konnte zwar einige Bedenken Hockers teilen. Es sollten aber nicht die Jäger sein, die dann den Wolf abschießen müssen, so Feiner.

Nächstes Thema: Ökologische Vorrangfläche in Notzeiten wie diesen für die Ernte freigeben? Hocker ist dafür. „Der Mensch, der Betrieb und dessen Tiere kommen an erster Stelle“, sagte er voller Überzeugung, „und dann die Ökologie“. Die FDP-Fraktion in Hannover werde versuchen, das Thema kurzfristig an die Landesregierung heranzutragen, gab er bekannt.

Weiter ging es: Anstatt immer wieder mit der Politik über hohe Ausgleichssummen zu feilschen, sollten die Agrarier dauerhaft in die Lage versetzt werden, selbstständig Vorsorge zu betreiben, forderte der Parlamentarier. Etwa durch die Möglichkeit, steuerfreie Rücklagen bilden zu können. Das versetzte sie perspektivisch in die Lage, in schlechten Zeit Einbußen auszugleichen. Die Freidemokraten werden einen entsprechenden Antrag im Bundestag einbringen, so Hocker. Auch dafür bekam er Zuspruch von seiner Zuhörerschaft. Wenn wieder einmal hohe Ausgleichszahlungen für Landwirte gefordert werden, könne man schon mal ein schlechtes Gewissen bekommen, bekannte einer der Anwesenden.

Wie hoch denn die Chance für eine Umsetzung des FDP-Zieles sei, wollte eine Zuhörerin wissen. Mit der CDU könne man möglicherweise über das Thema sprechen, mit den Grünen wohl eher nicht. Bei der SPD müsse man abwarten, wie sie sich positionieren, meinte Hocker. Doch immerhin werde über den Antrag und somit über gesamte das Thema diskutiert werden. Die anderen Parteien seien dann zumindest gezwungen, konkret Stellung zu beziehen.

Quelle: Kreiszeitung.de vom 02.08.2018