Dürre: Mit Rücklagen Risiko reduzieren

Hofbesuch in SchönemoorFDP-Agrarexperte Gero Hocker war zu Gast in der Gemeinde Ganderkesee. Seine Forderungen stießen bei Landwirten auf Zustimmung. Blick in den Kälberstall: Gero Hocker (Mitte) und Christian Dürr (links) schauten sich mit weiteren FDP-Besuchern den Betrieb von Jana Eilers (rechts) an. Von Hergen Schelling.

Schönemoor /Bookholzberg. Als der Termin mit dem FDP-Kreisverband im Mai vereinbart wurde, konnte Gero Hocker noch nicht ahnen, dass er sein Thema den aktuellen Gegebenheiten würde anpassen müssen. „Eine derart dramatische Situation war ja nicht vorauszusehen“, sagte er am Mittwochabend im „Schwarzen Ross“ in Bookholzberg. Aber der Bundestagsabgeordnete der Liberalen aus Achim zeigte sich gut präpariert und listete vor rund 50 Zuhörern, darunter Vertreter des Ganderkeseer Orts- und des Kreislandvolks, konkrete Vorschläge auf, um die Schäden für die Landwirtschaft durch die anhaltende Dürre in Grenzen zu halten.

Vordringlichste Forderung des Sprechers der FDP-Bundestagsfraktion im Ausschuss für Landwirtschaft und Ernährung ist eine „steuerfreie Risikovorsorge“: Landwirte sollten die Möglichkeit bekommen, in ertragreichen Jahren Rücklagen zu bilden, die sie nicht versteuern müssen, um diese in schlechten Zeiten einsetzen zu können, etwa zum Ankauf von Futter.

Das stieß auf allgemeine Zustimmung im Publikum: „Wir müssen Mittel in die Hand bekommen, um selbst agieren zu können“, sagte etwa FDP-Ratsherr und Landwirt Jürgen Struthoff aus Bergedorf. Denn zurzeit herrsche der öffentliche Eindruck vor, die Bauern würden nur immer wieder nach Entschädigungen durch Brüssel oder Berlin rufen.

Eine weitere Maßnahme, die schnell wirkten könnte, so Hocker, sei die Freigabe ökologischer Ausgleichsflächen für einen Notanbau. In Zeiten wie diesen müssten ökologische Aspekte hinter den Anforderungen von Mensch und Tier zurückstehen. Auch das traf den Nerv der Zuhörer. Ansonsten sparte der FDP-Abgeordnete nicht mit Kritik an CDU-Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner: „Die hat den Igel in der Tasche“, kommentierte er deren Zögerlichkeit bei schnellen Hilfen.

Auf sein eigentliches Thema – die „Herausforderungen der Landwirtschaft zwischen niedrigen Verbraucherpreisen und geringer Wertschätzung“ – kam Gero Hocker aber auch noch zu sprechen. Vor allem die Sicht von bestimmten gesellschaftlichen Gruppen, speziell den „urbanen Milieus“, auf die Landwirtschaft ist ihm ein Dorn im Auge: „Die stellen sich Landwirtschaft heute vor wie in einem Wimmelbuch von Ali Mitgutsch.“ Dabei würden die hohen Tierwohl- und Umweltanforderungen hierzulande bewusst ignoriert, ärgert sich Hocker. Und er gab zu bedenken: „Wenn man in Deutschland die Daumenschrauben anzieht, kommen die Produkte aus Ländern, wo die Standards niedriger sind.“

Wie Betriebe in der Gemeinde Ganderkesee den schwierigen Spagat zwischen Qualität und Ertrag einerseits sowie Tierwohl und Umweltverträglichkeit andererseits meistern, hatte Hocker zuvor auf dem Hof Eilers in Schönemoor erfahren. Mit seinem Ganderkeseer Fraktionskollegen Christian Dürr sowie FDP-Kreis- und Kommunalpolitikern ließ er sich von Junglandwirtin Jana Eilers und deren Eltern Hans-Gerd und Heike Eilers über den Betrieb führen, der im Vorjahr mit dem Milchlandpreis „Olga“ als einer der 15 besten Milcherzeuger Niedersachsens ausgezeichnet wurde. Aber auch dort holte die Liberalen schnell die dramatische Gegenwart wieder ein: Denn nachdem der erste Grasschnitt im Frühjahr noch recht ertragreich war, wie Jana Eilers sagte, fiel der zweite schon sehr mäßig und der dritte komplett aus. Auch auf dem Hof Eilers wird das Futter knapp!

Quelle: Nordwest-Zeitung vom 03.08.2018

Im Schönemoorer Vorzeigestall wird das Futter knapp

Landwirtschaft in Ganderkesee. Von Reiner Haase.

Landwirtschaft: Besuch Gero Hocker
FDP-Betriebserkundung auf dem Hof Eilers in Schönemoor: (von links) der Bundestagsabgeordnete Christian Dürr, die Ganderkeseer Vorsitzende Marion Daniel, Imke Haake vom Kreisvorstand, die Landwirtin Jana Eilers und der Agrarexperte der FDP-Bundestagsfraktion Dr. Gero Hocker im modernen, luftigen Milchkuhstall, den die Kühe tagsüber nach Belieben betreten und verlassen können. Foto: Reiner Haase

Schönemoor. Der Milchviehbetrieb Eilers zehrt von den Futtervorräten aus dem Jahr 2017. Beim Besuch von FDP-Politikern wurde deutlich, dass Landwirten ergiebiger Regen lieber wäre als schnelles Geld vom Staat.

Drohende Dürre auch noch den ganzen August über: „Das mag ich mir gar nicht anhören“, ächzt Jana Eilers. Die junge Landwirtin führt mit ihren Eltern Heike und Hans-Gerd Eilers einen Milchviehbetrieb in Schönemoor. Und es ist abzusehen, dass nach Monaten praktisch ohne Regen das selbst geerntete Futter knapp wird.

Besorgnis wächst

Die Familie Eilers stellte ihren Betrieb gestern einer FDP-Delegation mit den Bundestagsabgeordneten Christian Dürr und Dr. Gero Hocker sowie Vertretern des Kreis- und Ortsverbands vor. Der Betrieb sei gerade erst mit dem Milchlandpreis „Goldene Olga“ ausgezeichnet worden für vorbildliche landwirtschaftliche und betriebswirtschaftliche Führung, berichtete Jana Eilers. Aktuell wächst die Besorgnis.

Dritter Grünschnitt Totalausfall

Der 85-Hektar-Hof mit 125 Milchkühen und über 100 Nachzuchtkühen erzeugt das Grundfutter – Grasschnitt und Silomais – selber. „Der erste Grasschnitt war gut. Der zweite Schnitt hat noch einen Ertrag von 50 Prozent erbracht und der dritte ist ganz ausgefallen“, berichtete sie. Das zehrt an den Silagevorräten aus dem für den Hof Eilers guten Jahr 2017. „Er sollte für ein Jahr reichen“, erklärt die Junglandwirtin. Sie hofft, dass es doch noch zu regnen beginnt und der „Schnitt 3a“ Erträge bringt. Wenn nicht, braucht der Betrieb unbedingt einen sehr guten ersten Grasschnitt 2019.

Geld und das Prinzip Hoffnung

Die Vertreter des Orts- und Kreislandvolks, die mit der FDP auf den Hof Eilers gekommen waren, haben eifrig diskutiert, ob die lauter werdenden Rufe nach schneller Milliardenhilfe des Staats der Landwirtschaft wirklich helfen. „Ein Mastbetrieb kann Kraftfutter zukaufen, das ist eine reine Frage des Geldes“, stellte der Ganderkeseer Landvolk-Sprecher Cord Wübbenhorst fest. Ein Betrieb wie der der Familie Eilers sei auf das Grundfutter aus Grasschnitt und Maisernte angewiesen. Wie Jana Eilers beim Grünschnitt setzt Wübbenhorst bei der Maisernte trotz aktuell kümmerlichen Wuchses und brauner Verfärbung aufs Prinzip Hoffnung: „Nach anderen trockenen Sommern hat der Mais noch spät Kolben ausgebildet.“

Quelle: Delmenhorster Kreisblatt vom 01.08.2018