Bauern fordern Verlässlichkeit von Politik

Bauern fordern Verlässlichkeit von der Politik
Politiker der FDP um den Bundestagskandidaten Christian Dürr (links) trafen sich mit Vertretern des Landvolks auf dem 500 Jahre alten Hof von Onno Osterloh (rechts) in Immer. Bild: Hergen Schelling

Landwirtschaft: Bauern fordern Verlässlichkeit von der Politik – von Hergen Schelling. Landvolk und FDP kommen in Immer zusammen. Gastgeber Onno Osterloh schildert Probleme an Beispielen seines eigenen Betriebes.

Ganderkesee „Wir Landwirte sind zu allem bereit!“

Onno Osterloh meint das keineswegs als Drohung – sondern als Angebot: Die landwirtschaftlichen Familienbetriebe würden Auflagen akzeptieren, in Tierwohl investieren, gesetzliche Vorgaben umsetzen, bekräftigt der Landwirt aus Immer am Mittwochvormittag gegenüber FDP-Politikern und Landvolk-Vertretern, die seinen Hof besuchen. Allerdings: „Wir müssen langfristig planen können“, fordert Osterloh Verlässlichkeit von der Politik. „Die Halbwertzeit politischer Entscheidungen ist zu kurz“, stellt der 38-Jährige fest, der 2002 den 500 Jahre alten Familienbetrieb von seinem Vater Dieter übernommen hat.

Hin und Her bei Biogas

Osterloh kann das an seiner eigenen Betriebsentwicklung verdeutlichen. Beispiel Biogas: Dieser Erwerbszweig sei ab 2004 von der Politik als „die Zukunft der Landwirtschaft“ gepriesen worden. Viele Landwirte seien zunächst skeptisch gewesen, weil sie als Folge steigende Getreide- und damit Futterpreise befürchteten, die nicht an die Verbraucher weitergegeben werden könnten – was auch eingetroffen sei. Trotzdem entschied sich auch Osterloh aufgrund der Förderung Ende 2009 zum Bau einer Biogasanlage, die 2011 in Betrieb ging. „Aber 2013 war die Euphorie in der Politik schon wieder vorbei. Seitdem wird an Stellschrauben gedreht – dabei haben die meisten Landwirte ihre Kredite noch längst nicht abgezahlt.“

Ebenso prangert Osterloh die ungleichen Rahmenbedingungen innerhalb der EU an: Während in Deutschland etwa für Geflügelmäster Gesetze und Auflagen beträchtlich seien, werde in Osteuropa mit Mitteln der EU ein enormer Ausbau gefördert. Osterloh hat selber einen Betrieb in Polen besucht, der binnen fünf Jahren seinen Bestand von 20 000 auf eine Million Tiere erweitert habe. Dabei werde in Polen kaum Geflügelfleisch nachgefragt – die Erzeugnisse zu Billigst-Konditionen überfluteten den deutschen Markt.

Bedeutung für die Region

Schließlich macht der Immeraner seine Besucher noch auf die Bedeutung landwirtschaftlicher Familienbetriebe für die regionale Wirtschaft aufmerksam: Auf seinem Hof fallen im Jahr mehr als 100 000 Euro an Wartungs- und Reparaturarbeiten an, sagt Osterloh, „die Aufträge gehen alle an hiesige Firmen.“

Dieser Aspekt ist auch Christian Dürr wichtig: „Die Landwirtschaft ist die Urproduktion für den ländlichen Raum“, betont der FDP-Landtagsfraktionschef aus Ganderkesee, der bei der Wahl am 24. September für den Bundestag kandidiert. „Ohne sie wären viele andere Zweige nicht da.“ So trage die Landwirtschaft entscheidend zur faktischen Vollbeschäftigung im Kreis Oldenburg und im Südoldenburger Raum bei.

Dürr fordert Augenmaß

Deshalb, so fordert Dürr, müssten Auflagen für bäuerliche Familienbetriebe mit Augenmaß erfolgen und Rahmenbedingungen fair sein: „Wenn Landwirte nicht in neue Ställe investieren können oder wollen“, so der Liberale, „dann wird es auch keine Fortschritte beim Tierschutz geben.“

Quelle: Nordwest-Zeitung vom 22.06.2017